LZ Nr. 67: Liebe Kinder, lernt aus meiner Geschichte! oder Warum in unserer Welt nichts so eindeutig ist, wie es gern verkauft wird

Ralf Julke, 24. Mai 2019: Wohin gelangt man eigentlich, wenn man das, was in unserer Gesellschaft passiert, die ganze Zeit mit kritischem Blick betrachtet? Macht man es sich da nicht viel zu schwer? Kann man denn nicht einfach berichten, wie toll alles ist? Und dass es bei Wahlen doch eigentlich nur um ein bisschen Farbe geht? Erstaunlicherweise landen wir da genau bei jener Empörung, die dieser Tage tausende junge Menschen auf die Straße treibt: Es geht um viel mehr.

Schwerpunktmäßig ist es zwar diesmal nicht der Klimawandel und auch nicht der mit aller Macht ausgebremste Kohleausstieg, der die neue „Leipziger Zeitung“ Nr. 67 bestimmt. Diesmal ist es das Wohnungsproblem, das aus Sicht der Betroffenen völlig anders aussieht als aus der etwa der Planer, der Investoren oder der Wohnungsgenossenschaften. Die Sicht der Wohnungsgenossenschaften haben wir im Blatt.

Die Fragen bleiben. Und sie sind nur zu berechtigt: Kann es sein, dass unsere regierenden Parteien verantwortlich sind für die Schieflage? Dass sie im Interesse einiger großer Konzerne das Bauen so verteuert haben, dass niemand mehr in der Lage ist, Wohnraum für Normalverdiener zu bauen? Dass die falsche Geldpolitik dazu geführt hat, dass das wie irre suchende Kapital immer verzweifelter nach Anlagen sucht und damit die Bodenpreise in den Städten so in die Höhe treibt, dass kaum noch ein sinnvoller Mietspiegel erstellt werden kann?

Das sind nur so Fragen, die auftauchen. Die irgendwann gute Antworten brauchen.

VÖ am 24.05.2019. Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 67. KLICK zum Vergrößern

Wer die „Leipziger Zeitung“ liest, dürfte unsere Unruhe teilen. Und auch die besorgte Frage: Was wählen wir denn eigentlich? Welche Parteien stehen wirklich für Konzepte, die die Probleme der Gegenwart angehen und dafür Lösungen anbieten? Und die nicht einfach behaupten, sie seien schon die Lösung – wider besseres Wissen. Denn nach der Wahl beginnt die Arbeit erst. Und sie geht nie ohne blaue Flecken und Niederlagen einher.

Denn wir sind ein Land der Pfründeninhaber. Nichts ändert sich „einfach so“. Bevor so erstaunliche Entscheidungen im Stadtrat fielen wie die zum Nachhaltigkeitsszenario 2018 und zum 365-Euro-Ticket sind 15 Jahre mühsamer kleinteiliger Arbeit vergangen, gab es vollmundige Absagen aus der Verwaltung, selbstsichere Erklärungen, was alles nicht gehe.

Und dann stellt sich heraus: In Wirklichkeit hat es nie jemand durchgerechnet.

Auch der verwaltende Mensch ist zuallererst ein Faulpelz, versucht beim „alten Leisten“ zu bleiben und zu tun, was er „schon immer so gemacht hat“.

Das sorgt für die einen für Kontinuität. Und die anderen empfinden es als Stillstand. Und zwar gerade jene, die schon wissen, welche Folgen das wirklich hat, wenn wir uns nicht wirklich wandeln, wenn wir nicht lernen, unser Tun zu verbessern und Alarmzeichen nicht nur als Sonntagsthema zu behandeln, sondern uns zu benehmen wie Menschen: nach Lösungen suchen. Und dabei auch wissen, dass all jene, die vom alten Bequemmachen profitieren, mit allen Bandagen kämpfen, um nur ja den Verlust ihrer Monopolstellung zu verhindern.

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Dazu dann noch dutzende kleiner und großer bunter und emotionaler Geschichten von jubelnden Sportlern bis zu griesgrämigen Alten, die die Welt nicht mehr verstehen.

Die neue „Leipziger Zeitung“ liegt an allen bekannten Verkaufsstellen aus. Besonders in den Szeneläden, die an den Verkäufen direkt beteiligt werden. Oder einfach abonnieren und direkt im Briefkasten vorfinden.

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