Die Mai-Ausgabe der Leipziger Zeitung. Foto: Ralf Julke

Die neue Ausgabe der „Leipziger Zeitung“ vom 13. Mai: Wachstumsschmerzen der Großstadt Leipzig

Ralf Julke, 13. Mai. Die neue „Leipziger Zeitung“ liegt seit heute an vielen Verkaufsstellen in der Stadt aus. Ein Lesepaket für alle, die ihr Leipzig noch ernst nehmen und keineswegs glauben, dass es ein Kleingarten, eine missratene Party oder eine Dauerwerbeschleife ist, sondern eine Aufgabe. Eine echte Herausforderung, in die man investieren muss. Aber wie macht man das, wenn die Einnahmen auf Kleingartenniveau sind?

Deswegen werden diesmal in einem Schnelldurchlauf einfach mal die wesentlichen Wachstumsschmerzen aufgezeigt, die auf diese Stadt zukommen, wenn sie auf 600.000, 660.000, 720.000 Einwohner wächst. Darauf laufen die Prognosen hinaus.

Und damit wird schon das erste Problem sichtbar. Denn die Prognosen des Landes Sachsen versuchen das Wachstum der Großstädte einfach auszublenden. Es passt nicht in die konservativen Strickmuster, nach denen Sachsen regiert wird. Und deswegen wird es hart. Gerade für Leipzig: beim Wohnungsbau, beim Schulbau, bei der Kita-Versorgung, beim ÖPNV.

Etliche Themen können nur angerissen werden. Die werden in der Juni-Ausgabe noch klarer durchleuchtet. In seinem zugespitzten Leitartikel geht Matthias Weidemann kurz darauf ein, woran es liegt, dass in Sachsen so Vieles klemmt: Der Ministerpräsident Stanislaw Tillich sucht seine Ideen nicht in Sachsen, im einstigen Vorreiterland der Unternehmer und Erfinder, sondern schaut wie ein Schüler ohne Ideen auf das mächtige und saturierte  Bayern. In Leipzig hat er sich mit dem großen Polterer aus München zur gemeinsamen Kabinettskonferenz getroffen. Das wird schief gehen, wie es jedes Mal schief geht, wenn sich Sachsen in Bayern Ideen für die eigene Politik holen will.

Wie Sachsen damit die eigene notwendige Rolle im ostdeutschen Ländergefüge vergeigt, darüber werden wir ebenfalls in einer späteren Ausgabe berichten.

Es passt ja nicht alles in eine Zeitung. Da staunen wir selbst immer wieder.

Das liegt auch daran, dass längst viel zu viele Themen unerledigt in der politischen Landschaft stehen. René Loch beschäftigt sich mit dem bis heute nicht reformierten sächsischen Verfassungsschutz, der in der NSU-Affäre eine derart blamable Rolle gepielt hat, aber lieber lauter zusätzliche Linksextremisten erfindet, um nur ja nicht an die wirklich brennenden rechtsradikalen Probleme im Land heran zu müssen, was sich auch im neuen Verfassungsschutzbericht niederschlägt. Der Titel: „Ein Verfassungsschutzbericht zum Schreddern“.

Natürlich  gibt es auch wieder die große Übersicht über die Stadtratsentscheidungen im April – der nächste durchaus spannende Stadtrat tagt ja am 18. Mai.

Wer über alle Freuden und Hintergründe zum Film „Der schwarze Nazi“ informiert werden möchte, findet ein großes Interview mit den Machern im Blatt. Denn wo die Verfassungsschützer immer wieder wegschauen oder abwiegeln, da zeigen die jungen Kreativen im Land, wie es geht, wie man die heißen Eisen anpackt und wieder Position bezieht – als Mensch, als denkender und kritischer Mensch.

Was natürlich auch in anderen Beiträgen deutlich wird, die von Leipzigern berichten, die nicht ständig auf teuren Empfängen glänzen, sondern die Dinge anpacken, die sie für wichtig halten: als Schlosser, Herrenausstatter, Hotelbetreiber, Kirchturmwiederaufbauer.

Und natürlich funktioniert so eine Stadt der Anpacker nicht, wenn sie keinen geistigen Hintergrund hat. Und so wird im Bildungsteil der Zeitung über Souveränität nachgedacht, über Größenwahn, Humanismus-Vermittlung, Freiheit und verständliche Wissenschaft.

Da blieb tatsächlich kein Platz mehr für den Katholikentag. Das ist tragisch. Aber das Thema allein hätte eine eigene fette Zeitung gebraucht. Das handelt man nicht einfach als Termintipp ab.

Und da ist man natürlich am ewigen Dilemma: Was passt rein in so eine Zeitung? Was schafft man überhaupt?

Heinz Knobloch stellte mal mit fröhlichem Schmunzeln fest, es passiere jeden Tag eben genau so viel, wie in eine Zeitung hineinpasst.

Die Wahrheit für Leipzig ist: Es gibt viel zu wenig Zeitung, um alles, was notwendig hineinpassen müsste, auch unterzukriegen. Da  haben wir uns was aufgeladen. Aber wer sonst in dieser Stadt, wo sonst der Spaß, die Oberflächlichkeit und die Kleingärtnerei regieren?

Also lieber Listen schreiben und notieren, was alles noch fehlt. Und was angepackt werden muss. Und was immer drängender wird, denn die Wachstumsschmerzen der Stadt, die wir in dieser Ausgabe beschrieben haben, werden heftig.

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Und wer jetzt noch nicht überzeugt, aber trotzdem neugierig ist, der kauft sich einfach eine Zeitung in einer unserer ausgewählten Verkaufsstellen (hier geht’s zur Liste) oder in einem der knapp 600 Geschäfte, Zeitungs- und Schreibwarenläden oder Tankstellen, … im Leipziger Stadtgebiet.

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